Corona-Echo

Leben und Erleben im Angesicht der unter dem Vorwand der Bekämpfung eines gefährlichen Virus getroffenen Maßnahmen. Die hier geäusserten Meinungen geben die Meinungen der Verfasser*innen der Beiträge wieder. Falls ohne Namen, sind die Namen den Verantwortlichen dieser Webseite bekannt. Du darfst hier schreiben, was Dich betroffen macht ...

 

06.09.2020

Alte schützen

„Aber wir müssen doch unsere Alten schützen!“
Unter dem Corona-Regime wird dieser Satz - gern im Brustton der Überzeugung -  selbst von Menschen geäußert, die dieser Diktatur kritisch gegenüber stehen. Dies kann ich mir nur so erklären, dass sich diese Menschen kaum eine Vorstellung davon machen können, wie dieser angebliche Schutz in deutschen Alten- und Pflegeheimen konkret aussieht, welche oder was für Corona-Maßnahmen unter dem Deckmantel „Schutz“ hier durchgeführt werden - auch gegen den ausdrücklichen Willen der Insassen oder deren Angehörige.


Als drastischster Maßnahmen-Komplex ist wohl der anzusehen, der auf die Vereinsamung der Insassen abzielt. Meine Mutter sitzt mit ihren 88 Jahren seit zwei Jahren - eigentlich auf freiwilliger Basis - in einem großen Hamburger Pflegeheim ein. Anders kann ich es inzwischen nicht mehr ausdrücken. Meine Mutter ist eine fröhliche Frau, die fast allem eine positive Seite abgewinnen kann. Ihr liegt es fern zu klagen. Solange in ihrer unmittelbaren Nähe keine Bomben fallen, findet sie alles nicht so schlimm. Sie legt allerdings viel Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild.


Vor der Einführung der Corona-Maßnahmen, also vor der Machtübernahme durch das Corona-Regime, hatte es ihr ganz gut gefallen in ihrem Pflegeheim. Seit etwa einem halben Jahr nun ist meine Mutter gezwungen, alle Mahlzeiten allein in ihrem Zimmer zu sich zu nehmen. Das Essen aus der Großküche schmeckt ihr seitdem noch weniger als zuvor. Ihr fehlt der Austausch mit den anderen Insassen. Obwohl meine Mutter hart im Nehmen ist, wie wohl typisch für die Frauen der Kriegsgeneration, hat sie in dieser Zeit körperlich stark abgebaut. Das kann natürlich an ihrem hohen Alter liegen, ich sehe aber auch einen Zusammenhang mit der fehlenden Physio-Therapie. Den Therapeuten sei es untersagt, so wurde ich informiert, das Pflegeheim zu betreten. Die nötigen Behandlungen sind ersatzlos gestrichen. Ebenso wurde mit allen gemeinsamen Aktivitäten verfahren. Es gibt keine Sitz-Gymnastik mehr. Das Singen ist gestrichen, ebenso gemeinsame Kaffeekränzchen oder Vorlese-Stunden, Bastel- oder Spiele-Nachmittage.


Besonders hat meine Mutter die Schließung des Frisör-Salons getroffen. Ihr Zustand nach den ersten Monaten kann nur als verwahrlost bezeichnet werden. So hat sie selbst es ausgedrückt. Die fehlende Fußpflege hat zu ihren Geh-Beschwerden verstärkend beigetragen. Die schlimmste Corona-Maßnahme ist die Einschränkung der Besuchserlaubnis sowie das Verbot, das Gelände zu verlassen. Den Insassen wird allerdings eine Art Hofgang zugebilligt. Sie dürfen draußen spazieren gehen, dies aber mit der Auflage, eine dreilagige, fest gewebte und eng anliegende Baumwoll-Maske zu tragen an der ansonsten frischen Luft wohlgemerkt. Außerdem müssen sie den Abstand von anderthalb Metern einhalten, sollten sie beim Hofgang auf einen anderen Insassen stoßen. Die Alten, die draußen mühselig ihren Rollator vor sich
herschieben, hecheln bedenklich.


Das Restaurant wurde geschlossen, ebenfalls der Krämerladen. In den letzten Wochen gab es einige Erleichterungen, also die Haftbedingungen wurden ein wenig gelockert. Der Frisörsalon wurde wieder eröffnet, ebenso das Restaurant und der Krämerladen. Alles ist aber nur mit den hauseigenen, luftdichten, weißen Baumwoll-Masken zu betreten. Ein Attest, von ihrer Ärztin ausgestellt, aus dem hervorgeht, dass sie von der Masken-Pflicht aus medizinischen Gründen befreit ist, wird nicht akzeptiert! Besuche dürfen nur unter besonderen Auflagen zu beschränkten Zeiten von erst einer bestimmten, dann auch sogar von zwei Personen im Freien erfolgen. Der Zutritt zum Haus zu den Zimmern - den Zellen - ist nach wie vor strengstens untersagt. Es soll aber Sondergenehmigungen geben.


An dieser Stelle sei angemerkt: Die häufigste Todes-Ursache ist Einsamkeit! Das Angebot, bei meinem Mann und mir zu wohnen, wenn auch nur vorübergehend, lehnt meine Mutter ab. Sie möchte in ihrem Pflegeheim bleiben und hofft, dass der Spuk bald vorbei sein wird, und schließlich fallen dort ja keine Bomben.


Ich habe sie gefragt, ob sie - angenommen mal, es kursiere tatsächlich ein lebensgefährlicher Virus -, ob sie unter solchen Bedingungen lieber weiter allein essen würde oder mit den anderen zusammen auf das Risiko hin, sich anzustecken und am Virus zu sterben. „Kind,“ sagt meine Mutter, „ich bin 88 Jahre auf dieser Welt, und ich möchte wieder mit den anderen essen!“


Sie möchte auch uneingeschränkt Besuche empfangen in ihrem Zimmer und gemeinsame Veranstaltungen erleben. Und das ist es eben, was sie will: Leben bis sie eben stirbt, sei es an einem Virus oder weil das Herz nicht mehr schlagen mag.


Und das sollten auch all diejenigen tun, die sich rühmen, die Alten schützen zu wollen, sie fragen, die Alten, ob überhaupt und wenn ja, wie sie geschützt werden möchten. Wo bleibt denn sonst die Würde des Menschen. Hat die ein Verfallsdatum?


Meine Mutter klagt nicht, na ja, manchmal weint sie doch. Panisch reagiert sie auf Masken, die ihr aufgezwungen werden sollen. Es fallen ja immerhin keine Bomben.

 

Aber ich, ich klage an:
Frau Merkel, meine Mutter hat sie immer gewählt, wenn auch nunmehr zum letzten Mal, und wie behandeln Sie sie?! Schämen Sie sich! Ich empfehle Ihnen, sich als Selbstschutz-Maßnahme eine Maske aufzusetzen, bevor Sie in den Spiegel sehen.
Ich klage an den Bürgermeister von Hamburg und alle weiteren verantwortlichen Politiker und ihre Helfershelfer!
Wir brauchen einen Corona-Untersuchungsausschuß!
Schützt euch selber!

 

Angela R., 64 Jahre

 

 

25.07.2020

Ich bin infiziert. Nicht durch Covid 19, sondern durch die Angst.

 

Seit Monaten wird mir jeden Tag auf jedem Kanal zu jeder Uhrzeit gebetsmühlenartig mitgeteilt und mit entsprechenden Bildern, Graphiken und Statistiken noch bildlich untermauert, wie gefährlich Corona sei, dass ich entweder selbst daran bald sterben würde oder zumindest schwer erkranken könne oder dass ich andere Menschen anstecken könne, die daran dann versterben oder zumindest schwer erkranken würden. Und dies wird noch durch entsprechende Terminologien angefeuert, so wie gestern z.B. in den Tagesthemen in einem Kommentar, wo von „Ansteckungsopfern“ gesprochen wurde, die von Urlaubsrückkehrern aus dem Ausland angesteckt werden könnten.

 

Auf einmal wird im Zusammenhang mit einer Erkrankung, mit Covid 19, von Opfern und damit auch von Tätern gesprochen. Menschen werden kriminalisiert, die das Virus haben und womöglich einen anderen Menschen anstecken könnten. Und wenn jemand erkrankt, muss dann ja auch zwangsläufig irgendwie eine Schuld vorliegen, dass der sich nicht an die Regeln gehalten hätte, etwas falsch gemacht hätte in seinem Verhalten oder so, weil sonst könnte das ja gar nicht sein, dass jemand erkrankt und dann noch jemanden ansteckt.

 

All das macht mich gerade krank. Und ich muss aufpassen, dass mich diese Angst nicht zerfleischt und auffrisst und nichts mehr von mir übrig bleibt als eine Hülle ohne Leben und Lebendigkeit, ohne Freude und Genuss.

 

Ich habe diese Woche gemerkt, wie sehr ich anfällig bin, mich immer wieder von dieser kollektiven Angst mitreißen zu lassen, mich anstecken zu lassen.

 

Am Donnerstag gab es in Hamburg einen Anstieg von Covid 19 positiv getesteten Menschen. Gab es ansonsten immer ein Mittel von etwa 0-9 täglich positiv getesteten Menschen, so stieg auf einmal die Zahl auf 24 oder so. Die Presse machte daraus ein Riesen-Bohei, meine Kollegen und auch meine Freunde waren aufgewühlt, verunsichert, wütend, erbost und ängstlich und wetterten über die vielen doch so unvernünftigen Menschen, die daran schuld seien und „wir“ nun das Ergebnis sehen, „wir“ hätten das doch beinahe schon geschafft und alle sprachen von der nächsten Welle, die nun kommen würde.

 

Und ich ließ mich ein Stück mitreißen von der Angst dieses großen „Anstieges“. Als ich die Zahl das erste Mal gehört hatte, bekam ich auch einen Schreck. Ich habe mich dabei ertappt. Und mir wurde nochmal bewusst, wie sehr mich diese Berichterstattung der Angst die letzten Monate beeinflusst hat. Bis ich anfing diese Zahl mal in Relation zu setzen. 24 neu positiv getestete Menschen auf eine Bevölkerungszahl in Hamburg von etwa 1,83 Millionen?

 

Und um es hier auch nochmal klar zu sagen. Ich leugne nicht, dass es dieses Virus gibt, an dem Menschen schwer erkranken und sterben können. Und ich selbst möchte dazu natürlich auch nicht gehören, genauso möchte ich nicht dass die Menschen, die mir am Herzen liegen daran erkranken.

 

Jeder Mensch, der daran verstirbt oder schwer erkrankt ist eine Tragödie, sowohl für die Betroffenen als auch ihre Angehörigen. Menschen werden womöglich aus dem Leben gerissen, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten, andere standen mitten im Leben und wollten noch so viel machen und wiederum andere haben schon eine ganze Weile gelebt und allen ist gleich, dass vermutlich alle noch eine Weile weiter leben wollten.

 

Aber das trifft eben nicht nur auf die Menschen zu, die an Covid 19 versterben. Diese Tragödien passieren jeden Tag, jede Minuten hier in Deutschland, dass Menschen versterben, aus dem Leben gerissen werden und Tragödien erleben.

 

Aber wurde jemals schon täglich, fast stündlich, ein Nachrichtenticker installiert, um über die Gefährlichkeit und Sterberate von anderen tödlichen Erkrankungen oder Ursachen, die hier in Deutschland einen noch viel größeren Umfang haben gesprochen?

 

Ich bin froh, dass das nicht passiert ist, denn in einer ständigen Angst kann ich nicht leben.

 

Im Jahr 2018 verstarben in Deutschland insgesamt 954.874 Menschen, davon schätzungsweise 345.274 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 230.031 Menschen an Krebs, 74.000 Menschen aufgrund von Alkoholkonsums, 71.700 Menschen an Krankheiten des Atmungssystems, 27.127 Menschen aufgrund eines Unfalls, davon allein 11.960 Menschen im Haushalt….

 

Ich wäre vermutlich nicht mehr aus dem Haus gegangen oder hätte mich nicht mehr getraut mich von meinem Platz zu bewegen, hätte mich nicht mehr in ein Auto gesetzt, wäre nicht mehr auf eine Leiter gestiegen, wenn mir jeden Tag, jede Minute das Risiko des Lebens ständig vorgehalten wird, mir dies jeden Tag erzählt wird. Das würde mich nur lähmen. So wie ich mich jetzt immer wieder gelähmt fühle durch die aktuelle Berichterstattung.

 

Ob ich es will oder nicht. Covid 19 ist Teil einer von vielen Erkrankungen und Risiken des Lebens in Deutschland und weltweit geworden, an der ich sterben kann.

 

Und ich würde mir so sehr wünschen, dass diese tägliche Angstschürerei endlich mal ein Ende findet.

 

Anni, 52 Jahre