
Es braucht radikale Veränderung – jetzt! Keine der Parteien in unserem aktuellen politischen Spektrum ist bereit, sich für radikale Veränderungen einzusetzen. Sonst hätten sie dies längst getan.
Ich habe vor knapp zwei Jahren die Partei Die Meditierer – Partei der Stille gegründet. Nicht weil ich in irgendein Parlament gewählt werden möchte, sondern weil es radikale Veränderung braucht.
Die Meditierer sind eine Partei, die in ihrem Programm -abgesehen vomThema des bedingungslosen Grundeinkommens- keine Forderungen stellt. In klar ausformulierten Grundsätzen ist das Parteiprogramm ein Aufruf dafür, dieses Leben zu leben und es achtsam zu gestalten. Wer die Grundsätze unseres Programms teilt, ist eingeladen dabei zu sein. Denn wir als Partei wissen nicht, welcher Weg der Richtige ist. Deshalb auch keine Forderungen, was nicht heisst, dass es unter dem Dach unserer Präambel, die den Respekt vor allem was lebt betont, durchaus klar formulierte Forderungen geben kann und auch soll.
Die Meditierer – eine Plattform für die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen, die darin übereinstimmen, dass es Veränderung bedarf.
Vor wenigen Tagen hat die sich formierende Bewegung German Zero ihr erstes Grundsatzpapier veröffentlicht. Im Klimaplan geht es darum, für Deutschland bis zum Jahr 2035 eine Klimaneutralität zu erreichen. Das ist ein tolles Projekt, das Beste was mir in den vergangenen Jahren in diesem Themenbereich untergekommen ist. Das ist ziemlich grössenwahnsinnig, was Heinrich Stößenreuther, der wohl erfolgreichste Fahrradaktivist Deutschlands, jetzt wieder auf die Beine gestellt hat! Eine engagierte Gruppe arbeitet unterstützt von Wissenschaftlern einen Plan aus, den die Politiker schon lange hätten ausarbeiten sollen. Dabei herausgekommem ist ein komplett verrücktes Programm. Und es ist machbar!
Für eine Realisierung des Klimaplans von German Zero sind umfangreiche gesetzliche Änderungen notwendig. German Zero baut dabei auf einen breiten Konsens der Parteien im kommenden deutschen Bundestag. Aber ist das nicht ein wenig naiv? Trotz grösserer Sensibilisierung der Parteien für Klimafragen hat es genau eines im deutschen Bundestag so gut wie noch nie gegeben – einen parteiübergreifenden Konsens bezüglich sachlicher Gesetzesvorlagen.
Hier stösst German Zero -wie auch alle anderen NGOs- an den Deckel der eigenen Organisationsform. Gesellschaftlich engagierte Gruppen können tolle Vorschläge machen, sehen sich aber an einem bestimmten Punkt immer als Lobbyisten im Vorraum der Politik. Sie müssen gewählte Partei-Politiker überzeugen. Dabei konkurrieren sie gleichzeitig mit anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lobbygruppen, die meist finanziell und personell wesentlich besser aufgestellt sind. Die Politik entscheidet aber nicht im Vorraum, sondern im Sitzungssaal. Und da kommen all die, die heute wirklich gute Vorschläge machen, nicht rein.
Warum also nicht selber Politiker werden?!
Einer der Gründe, die Partei Die Meditierer zu gründen: hier ist Platz für die Aktivisten von Foodwatch, German Zero, Greenpeace, BUND, NABU, WWF, Tierschützer, Veganer, radikale Datenschützer und viele mehr. NGOs können innerhalb der Meditierer für anstehende Wahlen Fachleute vorschlagen oder deligieren, die sich als Abgeordnete der Meditierer für die politischen Gremien zur Wahl stellen. Hier kann es durchaus Vertreter verschiedener Meinungen geben. Die Meditierer kennen keine Tabus und geben den Raum, dass verschiedene Meinungen innerhalb dieser Partei bestehen können. Der Konsens heisst Achtsamkeit und der damit verbundene Respekt vor dem Leben.
Und trotzdem bleibt es eine Partei – ja, eine Partei ist eine Partei. Das ist ein Format, ein gesellschaftliches Konstrukt. Viele mit denen ich in den vergangenen Jahren geredet habe, wollen mit einer Partei nichts zu tun haben. Das kann ich als Beobachter dessen, was im Parteiformat so daherkommt, sehr gut nachvollziehen.
Aber das Format „Partei“ ist doch nur ein leeres Gefäss. Womit wir es füllen, bestimmen die Mitglieder der Partei. Jedes Mitglied füllt das Gefaäss der Partei mit dem, was es der Welt anzubieten hat.
Eine Partei ist rechtlich gesehen ein Verein. Auch die meisten NGOs sind Vereine. Jeder Verein braucht Geld, damit er wirken kann. Deshalb fordern euch German Zero oder der NABU oder welche NGO auch immer zum Spenden auf. Das Vereinsformat „Partei“ hat allerdings einen grossen Vorteil gegenüber allen anderen Vereinsformen: Durch ihren besonderen gesellschaftlichen Status werden Spender*innen für die finanzielle Unterstützung von politischen Parteien von zu zahlenden Steuern 50% bei der nächsten Steuererklärung wieder gutgeschrieben. Also nicht wie bei einem gemeinnützigen Verein, bei dem man die Spende steuerlich absetzen kann und auf den gespendeten Betrag keine Steuern zahlt – nein, Du bekommst die Hälfte des Geldes zurück! Nach dem Motto: Von 100 Euro Spende landen 50 Euro wieder auf Deinem Konto. (Mehr dazu hier. )
Im Bereich der Finanzen ist es einer Partei wie den Meditierern z.B. möglich, mit NGOs eine Vereinbarung zu treffen, bei der beide Organsisationen Vorteile aus dem Spendenmodell für Parteien ziehen. Z.B. könnten Spender*innen bestimmen, dass ein Teil ihrer Spende an die Meditierer einer bestimmten Gruppe (NGO, Projekt) innerhalb der Meditierer zugute kommen soll. Davon profitiert dann sowohl die einzelne NGO als auch Die Meditierer selbst.
Natürlich könnte eine Bewegung wie German Zero oder Fridays for Future selber eine Partei gründen könnten. Aber wozu? Wir haben genug monothematische Kleinparteien, die sich z.B. als Partei für die Mieter, den Frieden, ein Grundeinkommen, den Garten oder die Familie formiert haben. Wozu das alles? Was motiviert die Initiatoren solcher Parteien (mal abgesehen von den Spendenvorteilen), sich als Parteien aufzustellen, wobei ihr Anliegen doch viel besser in einer Bewegung aufgehoben wäre?
Viele monothematischen Kleinparteien könnten sich auflösen und ihre Themen in das bei den Meditierern vorhandene Spektrum einbringen. Monothematische Kleinparteien (Veganer, Friedensanhänger, Tierschützer) reduzieren bei aller Wichtigkeit ihrer thematischen Schwerpunkte die Chancen, das politische Veränderung überhaupt realisiert werden kann. Die für sie bei einer Wahl abgegebenen Stimmen verpuffen im Nichts.
Wir können gemeinsam eine gebündelte politische Kraft aufzubauen, die in der Lage ist, bis in die gesellschaftlichen Entscheidungszentren vorzudringen!
Kennzeichen des Programms der Meditierer ist, dass es (abgesehen vom Grundeinkommen) keine Forderungen dieser Partei gibt. Gleichzeitig darf sich eine politische Kraft entfalten, die sich unter dem Dach dieser Partei mit den vielen Meinungen formiert und die in der Lage ist, Bewegung in unsere Gesellschaft zu bringen.
Und noch etwas spielt bei dieser Partei der Stille eine Rolle, was für manche Aktivisten erst einmal befremdlich sein mag: Ein Drittel der Zeit in Versammlungen der Meditierer wird in Schweigen verbracht. Dies kann auch gerne als angeleitete Meditation durch eine erfahrene Person erfolgen. Welche Kraft dieses Tool birgt, werden die bestätigen können, die schon Meditation praktizieren. Alle anderen dürfen sich bei den Meditierern für neue Erfahrungen öffnen.




Angesichts des Klimawandels gibt es immer mehr Journalisten und Wissenschaftler, die uns weismachen möchten, dass eine Änderung des Konsumverhaltens Einzelner sinnlos ist und das der Zug in den Abgrund sowieso nicht mehr zu bremsen wäre. Alles schon zu spät? Der Autor dieses Beitrags ist der Meinung, dass genau die Absurdität einer Verhaltensänderung des Einzelnen der Schlüssel für eine Wende ist.


Und so heisst sein 2011 erschienenes Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ und beschreibt auf etwa 500 Seiten 100.000 Jahre Homo Sapiens. Ja, 100tausend Jahre – denn wer meint, die Wiege der Menschheit wäre mit dem Beginn unserer oder irgendeiner anderen Zeitrechnung eines existierenden Kulturkreises identisch, befindet sich (noch) in der Blase der eigenen Vorstellungen. Dabei hatten unsere Vorfahren, die im Austausch mit der Natur lebten, sogar ein grösseres Gehirn als wir. Das Individuum musste damals viel komplexer denken, als wir es heute zum Überleben brauchen. Wie alle Bücher Hararis ist hier Geschichte u.a. auch wegen vieler amüsanter Exkurse einfach zu lesen. Wer sich z.B. einmal mit der geschichtlichen Entwicklung des Rasens beschäftigt hat, wird den Schmuck vieler Gärten vermutlich in Zukunft ganz anders betrachten.
Konkret sind wir als Menschen zum aktuellen Zeitpunkt dabei, die Kontrolle an Instanzen abzugeben, die wir niemals dazu autorisiert haben, unser Leben zu beherrschen und zu gestalten. Wir erleben eine Akkumulation von Besitz in den Händen ganz weniger Menschen. Es bildet sich eine Elite heraus. Diese Gruppe der Gesellschaft hat die finanziellen Ressourcen und die technischen Mittel, durch eine Verbindung zwischen Mensch und Maschine ein Wesen zu schaffen, das dem Homo Sapiens, wie wir ihn kennen, bei weitem überlegen ist. In der Konsequenz dieser Entwicklung ist es wahrscheinlich, dass das Verhältnis zwischen dem von Harari genannten Homo Deus zum uns bekannten Homo Sapiens ähnlich sein wird, wie unser aktuelles Verhältnis zu domestizierten Tieren. In anderen Worten: Eine kleine Gruppe von Übermenschen macht mit uns, was wir aktuell mit Tieren tun. Homo Sapiens in der Rolle des Mastkalbs. Klingt nach Science Fiction? Nein, wir stehen wirklich vor der Entscheidung, ob wir den Menschen, wie wir ihn heute noch als Menschen definieren, in Kürze aufgeben wollen.
In den vergangen Jahren wurden auf der Basis der gezielten Manipulation von Individuen Wahlergebnisse erzielt, die es ohne „soziale Medien“ in der Hand von selbsternannten Weltverbesserern nie gegeben hätte. Ergebnis dieser Form von Beeinflussung ist u.a. der Ausgang der amerikanischen und der brasilianischen Präsidentschaftswahlen, als auch die Entscheidung Grossbritaniens, die EU zu verlassen. Wer zu diesem Themenkomplex Hintergrundwissen sucht, kommt um Shoshana Zuboffs „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ nicht herum. Zuboff hat in mehrjähriger Recherche auf über 700 Seiten das wohl umfassendste aktuelle Werk zu diesem Thema geschaffen. Und mit grosser Wahrscheinlichkeit greift auch die Taschenlampe auf Deinem Smartphone Daten von dir ab, die irgendjemand, von dem Du nichts weisst, an irgendjemanden, von dem Du ebensowenig weisst, mit einem Ziel, von dem Du auch nichts weisst, verkaufen wird …
Das Denken Putins und seine ideologischen Wurzeln zu verstehen bedeutet, die Gesamtlage in Europa und den USA besser zu verstehen. Snyder analysiert, wie Putin Konflikte erfindet, um von den internen Problemen seines Landes abzulenken. Homosexuelle und Juden werden wieder als Feinde aufgebaut. Gleichzeitig findet eine permanente Einmischung in die Politik anderer Staaten statt - der aktuelle amerikanischer Präsident, der Ausstieg Grossbritaniens aus der EU, der Aufstieg rechtgerichteter Parteien in Deutschland, Italien, Frankreich und in anderen Ländern – das alles ist laut Snyder in Putins Interesse. Dafür führt Russland einen Cyberkrieg, den es so nie zuvor gegeben hat. Snyder übersieht an manchen Stellen vielleicht Faktoren, die auch Teil des Ergebnisses sind, aber seine Recherchen sind gleichzeitig von den Quellen her einzigartig. Wer mehr über diese Themen wie auch die Besetzung der Krim und den Krieg gegen die Ukraine erfahren möchte, wird in diesem Buch Fakten über die Hintergründe finden. Und erfahren, wieso es im Interesse der russischen Oligarchie war, in Syrien zu bombardieren, damit 100tausende von Syrern sich auf den Weg nach Deutschland machten …
Zurück zu den Büchern von Noah Harari. Im Gespräch mit Leser*innen und den Besucher*innen seiner Veranstaltungen entstand 2018 sein drittes Buch mit dem Titel „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“. 21 Kapitel beschäftigen sich mit den Schlüsselfragen unserer Zeit, klar strukturiert, einfach und streckenweise unterhaltsam zu lesen. Hier gibt es viele Anregungen, selber weiterzudenken. Das ist für mich eh das Faszinierende an Hararis Büchern – während bei fast allen mir bekannten Autoren, die sich mit der Lage unserer Gesellschaft befassen, ein Gefühl von Ausweglosigkeit dominiert, bleibt Harari seiner sachlichen Gelassenheit treu. Er überlässt es der Leser*in, sich zurückzulehnen und die weitere Fahrt seines oder ihres Lebens zu geniessen, wenn er oder sie die eigene Zukunft gerne den Algorithmen überlassen möchte. „Wenn du aber noch irgendwie die Kontrolle über dein persönliches Dasein und die Zukunft des Lebens behalten willst, so musst du schneller sein als die Algorithmen, schneller als Amazon und die Regierung, und dich selbst erkennen, bevor sie es tun.“ („21 Lektionen …“, Seite 353)



Das
Die Meditierer sind eine davon und Du findest sie auf Platz 49. Das ist für mein Gefühl eine gute Startnummer. Vor uns auf Platz 48 befindet sich DIE LINKE, direkt hinter uns auf Platz 50 kommt DIE MITTE, auf Platz 51 outen sich DIE BIKER als „die wahren Demokraten“ und auf Platz 52 bemüht sich die Partei DIE RECHTE um den Heimatschutz. Ich finde, wir sind in diesem Umfeld sehr gut aufgehoben. Von links bis rechts ist alles ganz nah dran. Gleichzeitig passen wir in keine der vorhandenen Schubladen.
